Jetlag

Von jeder Fernreise versuche ich, etwas mitzunehmen, das mich auch zuhause noch eine Weile begleitet und an den Urlaub erinnert. Das ist manchmal ein Bart, den ich bald albern finde oder ein Armband, das ich schnell wieder verliere. Was aber ein verlässliches Mitbringsel ist, wenn die Reise nach Amerika oder Fernost geht, ist ein Jetlag.

Ich gebe mich nicht der Illusion hin, dass Wikipedia, die Apotheken-Umschau oder Kay und ich definieren, wie lange der Jetlag anhält. Die Länge des Jetlags wird bei uns durch Lina bestimmt. Als wir vor drei Jahren nach unserem Floridaurlaub nach Hause kamen, waren wir froh, Lina am Rückkehrtag bis 19 Uhr wachgehalten und dann ins Bett gebracht zu haben. Nach zwei Stunden kam sie fröhlich die Treppe runter und sagte, dass sie ausgeschlafen hat. Der Fünfjährigen klarzumachen, dass sie ins Bett muss, obwohl ihre innere Uhr auf Mittag steht, dauerte genau eine Woche. Dann erst schlug ihre innere Uhr im Takt mit den Kulturgewohnheiten ihrer Eltern. Als wir im vergangenen Jahr von Kuba zurückflogen, beherzten wir die Empfehlung, während des Nachtflugs wach zu bleiben. Es funktionierte und am Ankunftstag machte Lina nur ein kleines Nickerchen. Der Zeitraum, den wir anschließend benötigten, um sie abends zur gewohnten Zeit ins Bett zu bringen, dauerte dann vier Tage.

Als wir am vergangenen Freitag aus Singapur zurückkehrten, standen wir erstmals vor einer neuen Herausforderung. Da wir aus dem Osten kamen, ging nicht darum, Lina zu einer Zeit ins Bett zu bringen, zu der sie nicht schlafen kann, sondern es galt, Lina bis zur üblichen Bettgehzeit wach zu halten. Und so waren wir am Tag unserer Ankunft ziemlich hyperaktiv. Eigentlich wollten wir uns nur wach halten, aber es ging irgendwie auch um das Verdrängen, dass wir uns nun nicht mehr in Singapur, sondern in Köln-Weidenpesch befinden. Wir machten Einkäufe, besuchten meine Eltern, packten aus, wuschen Wäsche, mähten Rasen, jäteten Unkraut und erledigten Schreibkram. Der Plan ging auf. Um 19 Uhr gingen die Mädels völlig erschöpft ins Bett, um 22 Uhr folgte ich, leicht halluzinierend.

Um 02:51 Uhr hörte Kay Schritte auf der Treppe. Sie stand auf und ging vom Dachgeschoß, in dem sich unser Schlafzimmer befindet, runter in Linas Zimmer, das ebenso dunkel und leer war wie die Zimmer ihrer Brüder und das ganze Haus. Nur unter der Tür der Abstellkammer im Erdgeschoss brannte Licht und waren Schatten kleiner Füße erkennbar. Kay brachte die beleidigte Lina, die sich auf dem Weg zum alten iPhone in der Küche gestört fühlte, ins Bett. Dort imitierte Lina bald Schnarchgeräusche und verließ nach einigen Minuten leise das Bett, um wieder in die Küche zu gehen. Leider stieß sie auf der Treppe auf ihre misstrauische Mutter, wo diese, Lina in weiblicher Raffinesse nicht nachstehend, lauerte. Und während ich im Dachgeschoss den Schlaf des Gerechten schlief, fügte Lina sich in ihr Schicksal und akzeptierte, dass ihre Mutter ebenfalls in ihrem Zimmer schlief.

Linas Nacht endete um 05:30 Uhr. Am Sonntag stand Lina um 6 Uhr auf und am Montag beendete sie unser aller Jetlag endgültig um 7 Uhr. Ich bin sicher, dass wir alle über einen längeren Zeitraum nachtaktiv gewesen wären, wenn das gerissene Gör sich in der ersten Nacht unbemerkt in die Küche geschlichen und mit dem alten iPhone die Nacht zum Tag gemacht hätte. Unser Jetlag wurde nur deshalb so schnell beendet, weil Lina sich in einem dunklen Haus in einer erleuchteten Abstellkammer versteckt hat. Wir sind nochmal davongekommen, weil sie halt den Verstand einer Achtjährigen hat. Noch.

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Es geht weiter

Liebe Leserin, lieber Leser,

vielen Dank für dein Interesse an meinem Reisebericht.

Eigentlich habe ich immer was zu berichten – was das Leben mit Frau und Tochter und überhaupt halt so mit sich bringt.

Daher werde ich in den nächsten Tagen den Jetlag an mir vorbeiziehen lassen und mir Gedanken machen, wie ich den Blog fortsetzen werde. Aber es geht weiter. Bleib dran!

Viele Grüße und bis bald

Claudius

Abschied

All good things must come to an end lautet ein Satz in der letzten Folge von Star Trek – The next Generation und selten passte ein Filmzitat besser zu einem Urlaubstag als heute. Unsere Abflugzeit war 23:40 Uhr, daher galt es, einen letzten langen Tag mit neuen Erinnerungen zu füllen, ohne emotional überladen abzureisen.

Zunächst gingen wir zur Bugis Street, einem Areal, in dem man ausgezeichnet schoppen kann. Wer selber nichts kaufen möchte, kann einfach beobachten, wie die Einheimischen Vogelnester, alle möglichen Arten von gesalzenen und getrockneten Fischen und anderen Meeresbewohnern und überhaupt alles kaufen und verkaufen. Wir kauften Schmuckstücke und nach der Bezahlung wurden sie zu kleinen, Glück bringenden, Steinchen in ein gläsernes Gefäß gelegt. Mit einem Stab wurde dann über den Rand des Gefäßes gerieben und es entstand ein lautes Geräusch, vergleichbar dem Laut, der bei der Benutzung einer Klangschale entsteht. Damit der Gegenstand dem neuen Eigentümer Glück bringt, muss dieser ihn dann mit der linken Hand aus dem Glas heben. Wenn alles Humbug war, war es zumindest spannender und interessanter Humbug. Wir fuhren dann zur Marina Bay, wo wir auch bei Tageslicht die Supertrees bewunderten. Da dort die Feierlichkeiten zum 53. Unabhängigkeitstag beginnen sollten und immer mehr Menschen dort hinströmten, fuhren wir zum Clake Quay, wo wir zu Mittag aßen und unter anderem einen Bucket with three bottles bestellten. Im Anschluss bummelten wir ein letztes Mal durch Little India und landeten final auf der Dachterrasse unseres Hotels, in dem wir bereits ausgecheckt, aber unser Gepäck zur Aufbewahrung hinterlassen hatten. Und weil sich Singapurs Getränkekarten so gern mit echten Eimern schmücken und dies die letzte Gelegenheit war, nahm ich die Bucket with five bottles-Herausforderung an. Kurz darauf fuhren wir zum Flughafen und zahlten, wie bei sämtliche Fahrten vom und zum Flughafen, weniger als 20 S$, was 12 Euro entspricht.

Die Eincheckprozedur war schnell und reibungslos und das Boarding begann planmäßig um 23 Uhr. Wir flogen mit dem Airbus A 380 und ich war sehr gespannt, erstmalig mit dem weltgrößten Passagierflugzeug zu fliegen. Der A 380 hat zwei Passagierdecks und wir saßen im unteren, dem Hauptdeck. Beim Einstieg war ich zunächst etwas enttäuscht, da der A 380 sich beim Betreten nicht wesentlich von anderen modernen Großraumflugzeugtypen unterscheidet. Die Beleuchtung ist angenehm, es gibt enormen Raum nach oben, aber auch ausreichend Beinfreiheit und Platz zum Nachbarn. Auch sind die Sitze bequem und die Fenster größer und man kann auf drei verschiedene Außenkameras zugreifen. Alle diese Vorteile genossen wir jedoch auch schon während des Hinflugs mit dem Airbus A 350. Dieser, noch modernere, Airbus hat den Vorteil gegenüber dem A 380, dass die Unterhaltungselektronik noch benutzerfreundlicher und das Display größer ist. Beide fliegen ausgesprochen leise. Nach dem Start sah Lina 20 Minuten Die kleine Hexe, schlief dann ein und wachte erst zwei Stunden vor der Landung auf. Der Rückflug passte zum gesamten Urlaub und war entspannt, angenehm und ging schnell vorbei. Allerdings nicht so aufregend. Und das war besser so.

All you can Singapur

Bei unserem dritten Aufenthalt in Singapur wählten wir ein Hotel in Little India. Der Stadtteil ist nicht so groß wie Chinatown, aber deutlich größer als Arab Town. Architektonisch ist Little India nicht besonders ansprechend, die überwiegend ein- bis zweigeschossigen Häuser sind meist unauffällig. Die Geschäfte und das Straßenbild sind ganz eindeutig von indischstämmigen Menschen geprägt. Die unzähligen Tante-Emma-Läden, Sari-Geschäfte, Juweliere und Restaurants mit indischstämmigen Verkäufern und indischstämmigen Kunden sowie die zahlreichen Räucherstäbchendüfte verströmen eine dichte Atmosphäre und vermitteln das Gefühl, in einer indischen Stadt zu sein – die allerdings ziemlich sauber ist. Nach unserer Ankunft haben wir Little India durchstreift und authentisches indisches Essen genossen, das, wie es halt so ist, ebenso lecker wie scharf war.

Heute ging es in den Zoo. Der Zoo in Singapur ist bekannt für seine vielen Freigehege, natürliche Begrenzungen sowie die „artgerechte“ Haltung, womit wohl die Haltung der Tiere in möglichst natürlicher Umgebung gemeint ist. Das Zookonzept ist im Jahr 2018 nicht mehr revolutionär. Möglichst große Gehege und natürliche Umgebungen sind heute, auch, wenn der Singapore Zoo hier eine Vorreiterrolle gespielt hatte, auch in modernen europäischen Zoos üblich. Sehr interessant fand ich aber immer wieder dem Blick von oben auf die Tiere, von einem der Hochstege. Sehr reizvoll sind zudem die Tiere, die es im Kölner Zoo nicht gibt. So sahen wir unter anderem Gaviale (Krokodile mit spitzer Schnauze), Schabrackentapire, weiße Tiger, Riesenschildkröten, Komodo-Warane und Fledermäuse. Als besondere Highlights empfanden wir die Fütterung der Flughunde, einer Fledermausart, die im Flug eine beeindruckende Spannweite von fast zwei Metern erreicht, sowie das sehr präsente Orang Utan-Gehege. Auch kommt man hier kleinen Affen, die sich fast völlig frei bewegen können, sehr nah. Für lohnenswerte 93 S$, was etwas weniger als 60 Euro entspricht, erlebten wir einen Zoobesuch der anderen Art. Anschließend machten wir uns im Hotel wieder frisch und ruhten uns etwas aus, bevor am Spätnachmittag mein alter Kumpel Marcus kam, der seit 22 Jahren in Singapur lebt.

Mit dem Taxi fuhren wir zunächst zu einer Ansammlung von Garküchen, Satay By the Bay, nahe der Marina Bay. Dort aßen wir Satay-Spieße mit Schweine-, Rind-, Lamm- und Hähnchenfleisch, Garnelen, Hähnchenflügel und -keulen und Stachelrochen, der einen recht herben Eigengeschmack hatte, was den Fisch auf dem Teller aber noch interessanter machte. Es gab Gemüse, das bei uns nicht vorkommt und dessen Namen ich vergessen habe und weitere Beilagen, deren Namen Marcus kannte, aber deren Inhalte auch er nur schätzen konnte. Das ganze Essen war köstlich. Dazu tranken wir diverse Tiger Beer und sprachen lange über das Leben und das Leben in dieser faszinierende Stadt, die sich nicht über die Trennung, sondern die Mischung von Ethnien definiert und daraus Stärke zieht.

Anschließend gingen wir zu den Gardens by the Bay, ein großes Parkgelände nahe der Marina Bay, und genossen eine viertelstündige Licht- und Tonshow um die Supertrees, bis zu 50 Meter hohe, an Avatar erinnernde, pflanzenbewachsene Stahlgerüste, die der Aufzucht seltener Pflanzen dienen. Es war beeindruckend. Danach gingen wir durch das Marina Bay Sands Hotel (das Hotel mit Schiff auf dem Dach) zur Marina Bay und fuhren mit dem Boot eine Viertelstunde zum Clarke Quay. Dort bewunderten wir zum Abschluss des Abends das große Angebot innovativer Gastronomie mit Musik oder Musik mit Gastronomie, man weiß das nie genau, in den alten Lagerhäusern. Da Lina sehr müde war, beendeten wir den Abend. Er zeigte uns nochmals die Schönheit, Vielfalt und Innovationsfähigkeit Singapurs und wäre ein passendes Abschlussfeuerwerk gewesen, hätten wir nicht morgen nochmals die Gelegenheit, tagsüber durch die Stadt zu streifen.

Letzte Reise nach Singapur

In Singapur begann unser Urlaub und in Singapur wird er enden. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass die finale Reise von Tioman Island nach Singapur langweilig werden würde, aber sie war dann doch aufregender, als erwartet.

Der Tag begann um 04:50 Uhr mit dem Klingeln des Weckers. Das Beste in den folgenden 40 Minuten, in denen wir uns fertigmachten, Koffer und Rucksäcke vor die Hütte stellten und uns verschlafen in der Lobby einfanden, war, dass Lina mir nicht ihr allmorgendliches, fröhlich-verächtliches Guten Morgen, Schlafmütze Papa! entgegen schleuderte. Stattdessen maulte sie, dass es mitten in der Nacht sei, was mich zum moralischen Sieger des Aufstehens machte – und ihr völlig egal war.

Um kurz nach halb sechs teilte der Rezeptionist uns und den zwei anderen wartenden Familien mit, dass wir nun zum Bootsanleger gehen könnten. Das Boot sei abfahrbereit. Wie die Entenküken folgten wir einem Hotelmitarbeiter durch die Dunkelheit auf dem kurzen Weg. Der Bootssteg war spärlich beleuchtet, die See sehr rau und die Gicht klatschte in dem funzeligen Licht auf den Holzsteg. Die Szenerie war gespenstisch. Am Ende des Bootsstegs stoppte unsere kleine Prozession, da die Hotelmitarbeiter zunächst das Gepäck im Boot verstauten. Dann gingen auch wir vom Bootssteg über den schmalen Steg, der zum Ponton führt, an dem das Boot befestigt war. Da erst konnten wir das Boot sehen. Das Boot, das dort fröhlich auf den Wellen hüpfte, war nicht das große Boot, mit dem wir bei unserer Ankunft abgeholt worden sind und den Schnorchelausflug gemacht hatten. Es war ein kleines Boot, in dem vorne der Stuhl des Bootsführers mit einem kleinem Armaturenbrett war. Direkt dahinter zwei Pritschen quer zur Fahrtrichtung, auf denen sich jeweils sechs Personen auf engem Raum gegenübersitzen können. Hinter den Pritschen war nur noch die Bordwand, die nicht erhöht war. Wenn sich also jemand nach hinten fallen ließe, würde er unweigerlich ins Meer kippen. Mir war mulmig und ich fragte mich, ob wir ernsthaft mit diesem Bötchen, das ja sogar vertäut auf den Wellen tanzte, eine halbe Stunde in völliger Dunkelheit auf offener See fahren würden, ohne uns irgendwo festhalten zu können. Offenbar dachten das andere auch, denn die Schlange stockte, bevor wir nach und nach einstiegen. Obwohl zwei Männer das vertäute Boot an den Ponton zogen, fiel es jedem Einzelnen schwer, einzusteigen. Als dann alle im Boot saßen, das am Ponton auf den Wellen hüpfte, herrschte angesichts des Nichts im Rücken und in Erwartung der stürmischen See ein stummes, fast zu greifendes Entsetzen. Meine linke Hand legte ich hinter Lina auf der Pritsche, wo Kays rechte Hand schon lag und ich realisierte, dass die allgemeine Unruhe zunahm. Mütter tuschelten mit Vätern und Eltern mit anderen Eltern. Ein Vater fragte „Do you have life vests for the children?”, der Kapitän antwortete „Yes, I have“ – und legte den Gashebel um. Mit seiner kaltschnäuzigen Reaktion zeigte der Kapitän einerseits, dass ihn die Bedenken seiner Passagiere nicht die Bohne interessierten, andererseits erlöste er uns von der Ungewissheit, wie das Boot sich im Wasser und wir uns im Boot halten würden. Das Boot raste los und ich war in meiner Anspannung erstaunt, wie stabil und relativ wenig hüpfend es sich auf dem Wasser hielt. Das Boot zog die eine oder andere Kurve nach links oder rechts und knallte auch mal recht unsanft auf die Wasseroberfläche. Aber wohl niemand im Boot fürchtete ernsthaft, aus dem Boot zu fallen. Dennoch waren wir ziemlich erleichtert, dass die Fahrt durch die Dunkelheit nach 40 Minuten endlich beendet war. In Tektek warteten wir ungefähr eine Stunde, bis wir auf die Fähre nach Mersing umsteigen konnten. Diese Fahrt dauerte eineinhalb Stunden, war ausgesprochen stürmisch und im Vergleich zur vorangegangenen Fahrt sehr entspannt.

Als wir in Mersing von Bord taumelten, sahen wir einen freundlichen Chinesen, der ein Schild mit meinem Namen hochhielt. Offenbar hatte auch die Kontaktaufnahme des Hotels mit Jacky, dem Taxifahrer, der uns nach Singapur bringen sollte, geklappt. Er fuhr uns zweieinhalb Stunden bis zur Grenzstadt Johor Bahru. Die Fahrt nach Süden war ziemlich eintönig und wir passierten endlose Palmöl-Plantagen. Auf der Straße sahen wir einige lebende und tote Affen und Warane und mehrere Warnschilder vor Elefanten und Schabrackentapiren, die aus dem Wald hätten kommen könnten, aber nicht kamen. In Johor Bahru stiegen wir um in ein Taxi mit Singapurer Kennzeichen und setzten die Fahrt fort. Die Grenzformalitäten haben fast zwei Stunden gedauert, aber mittags kamen wir in Singapur an, ohne, dass es echte Probleme gegeben hätte. Ich zahlte dem Taxifahrer die vereinbarten 180 S$ und wir checkten im Hotel ein.

Nachdem wir bei unserem ersten Aufenthalt in Singapur in Chinatown waren und beim zweiten im arabischen Viertel, haben wir unsere Zelte diesmal in Little India aufgeschlagen.

Letzter Tag auf der Insel

Ich versuchte den ganzen Tag, sentimentale Gefühle über das nahe Ende des Urlaubs umzuleiten in positive Energien zur Vorbereitung des nächsten Urlaubs. Klappte nicht.

Heute, am letzten vollen Tag auf Tioman Island, gingen wir wieder den Strand entlang nach Norden. Lina traf eine Kollegin und buddelte mit ihr schweigend Löcher in den Sand, während wir Fotos machten und darüber sinnierten, wie lange die Korallen wohl schon tot sind. Als Lina wieder zu uns kam, machten wir eine Art Picknick. Wir saßen auf Felsen, die irgendwann mal Korallen gewesen sind, ließen die Waden vom Meer umspülen und tranken Bier und Sprite. Wäre heute nicht unser letzter Tag auf Tioman Island gewesen, hätten wir unseren Frühschoppen ganz ohne Sentimentalitäten genießen können. Half alles nichts. Anschließend ging es zum Pool, wo wir zunächst schwammen und tobten und mittags die Scheibe Ananas bestellten, die uns zur schönen Gewohnheit geworden ist. Die Scheibe steckt in einem Glas und im Glas befindet sich Singapore Sling, ein Cocktail, von dem ich nicht weiß, was er enthält, der aber ziemlich gut schmeckt und je nach Tagesform des Barkeepers und der eigenen die Kapillaren und die Sichtweise auf Dinge erweitert. Aber heute erweiterte er nichts und schmeckte wie ein Cocktail, der auf absehbare Zeit der letzte gewesen sein wird.

Kay und Lina machten sich irgendwann auf den Weg zu unserer Hütte, um Wasserspielzeug zu holen. Vor der Hütte stießen sie auf einen Affen auf Beutezug, der soeben von irgendwo eine Tüte Chips geklaut hatte. Lina ergriff, gewohnt wehrhaft, einen Besen, den der Reinigungstrupp hat stehen lassen, und blaffte den Affen an, ja nicht wieder in unsere Hütte zu gehen. Der Affe zog sich aufs Dach zurück, riß die Tüte auf, aß die Chips und besah sich dabei das ganze Spektakel von oben. Nachdem wir später vom Pool in unsere Hütte zurückgekehrt waren, duschten wir und packten anschließend Koffer und Rucksäcke. Ich hatte meinen Part schon erledigt und saß mit einem Buch auf dem Bett, das etwa einen Meter von der großen Balkontür entfernt ist. Der Balkon ist breit, aber nicht tief und etwa zwei Meter dahinter beginnt der Urwald. Irgendwann sah ich im Augenwinkel eine Bewegung, sah genau hin und erkannte, dass mehrere Lianen, die vom ersten Baum hingen, wackelten. Nach ungefähr zwei Minuten nahm ich wieder eine Bewegung wahr, sah auf und sah zwei Affen, die ihre Nasen an die Scheibe drückten und beobachteten, was in der Hütte vorging. Die sichere Scheibe zwischen uns erlaubte es mir, vom Bett heldenhaft direkt vor die Affen zu springen, die genauso panisch wie blitzschnell seitwärts vom Balkon sprangen. Affen haben wir keine mehr gesehen.

Das Abendessen hatte nicht den Charakter des letzten Abendmahls, war aber auch keine ausgesprochen fröhliche Veranstaltung. Wir genossen das Essen, leerten den letzten Eimer Tiger Beer und platzten fast vor Stolz, als Lina zum Abschluss des Essens zwei Kugeln Erdbeereis auf Englisch bestellte und verstanden wurde. Morgen früh um 5:30 Uhr müssen wir in der Lobby sein. Anschließend bringt uns ein Boot nach Genting auf Tioman Island, wo wir in ein größeres Boot umsteigen und nach Riad Mersing fahren. Dort wartet ein Taxifahrer namens Jacky auf uns, der uns nach Singapur fährt. Soweit der Plan. Die Zeit auf Tioman Island war großartig und es drückte den ganzen Tag aufs Gemüt, diese wunderschöne Insel nun verlassen zu müssen. Nur die reiselustige Lina ist gut drauf. Denn es geht weiter.

Dschungelwanderung

Nachdem wir gefrühstückt hatten, machten wir uns auf zur nächsten Dschungelwanderung, die eher ein Spaziergang war. Ein Schild am Eingang des Dschungelpfads wies darauf hin, dass man nach ca. 30 Minuten einen Aussichtspunkt erreicht. Wir hatten bereits die Erfahrung gemacht, dass die Aussagen solcher Schildern meist auf groben Schätzungen beruhen. In Taman Negara und auf Borneo haben wir Schilder mit Entfernungsangaben passiert und uns über die noch größere Entfernungsangabe auf dem nächsten Schild gewundert – ohne zwischendurch ein Wurmloch passiert zu haben. Wir haben daher auch nicht damit gerechnet, dass der Aufstieg nur eine halbe Stunde dauert. Am Eingang des Dschungelpfads wurden wir durch ein Gespräch mit einem holländischen Paar bestärkt, das den Aussichtspunkt in eineinhalb Stunden erreicht hatte. Ohne Kind. So zogen wir los und nach Linas anfänglichem Dschungelgemecker hatten wir alle Spaß. Der Weg war schmal und oft steil und führte häufig über Baumwurzeln oder Steine. Links oder rechts des Wegs war ein Seil gespannt, das als Markierung des Wegs und gleichzeitig zum Festhalten diente. Lina fand es sehr spannend, sich am Seil und an meiner Hand festzuhalten und zu balancieren oder an einem hohen Stein hochziehen zu lassen. Es war jedoch ziemlich anstrengend und nach einer Stunde machten wir eine kleine Pause und gingen dann zurück. Als größten Triumph – und Freude – empfanden wir, dass wir Lina, die unbedingt weitergehen wollte, überzeugen mussten, zurückzugehen. Auch in diesem Urwald war die Fauna wieder beeindruckend. Außer Fledermäusen haben wir aber keine Tiere gesehen, was ich etwas enttäuschend fand, zumal zwei Pärchen von Schlangen und Waranen berichteten, die sie auf dem Weg gesehen hatten.

Wir gingen zurück in unsere Hütte, die übrigens nicht Hütte, sondern Chalet heißt, zogen uns um und gingen zum Pool. Und dort sahen wir, dass sie da waren. Die Deutschen! Sie waren nicht mehr am Pool, aber haben die unverkennbaren Spuren ihrer Anwesenheit hinterlassen, über die ihre Miturlauber in Urlaubsorten rund um die Welt kotzen: Das Handtuch auf dem leeren Liegestuhl. Natürlich blockieren auch Urlauber aus anderen Ländern Liegestühle, aber fünf Tage gab es das hier nicht. Malaysier, Neuseeländer, Holländer und Franzosen legten in den letzten Tagen ihre Handtücher nur dann auf die Liegen, wenn sie sich auch im Poolbereich aufhielten und nahmen die Handtücher wieder mit, wenn sie den Bereich verließen. Gestern Abend saßen viele Deutsche im Restaurant und ich fragte mich, ob sich ihre verstärkte Präsenz nur in meinem Kopf oder auch in der Realität auswirken wird. Als dann gestern Nachmittag ein Boot am Bootssteg ankam und fröhliche Deutsche ausstiegen und zu den handtuchgesicherten Liegen am Pool gingen, fühlte ich mich bestätigt. Es wirkte sich in der Realität aus. Auch.

Mensch und Natur

Nach einem reichhaltigen Frühstück machten wir einen längeren Strandspaziergang und bestaunten beim Strandabschnitt nördlich unseres Hotels die abgestorbene Korallen, die bei Ebbe deutlich erkennbar waren. Mit Korallen ist es wie mit so manchen Dingen in der Natur: man findet sie toll und möchte sie bewahren, aber wenn sie einem zu nahe kommen, wird es unheimlich. Auch direkt vor unserem Hotel befinden sich Korallen im Meer. Allerdings nicht in mehreren Metern Wassertiefe, sondern in Tiefen, die selbst Lina noch laufend erreichen kann. Ins Meer zu rennen und fröhlich in die Brandung zu springen, ist daher keine sonderlich gute Idee. Wenn man weiß, wo sich die Korallen befinden und zusätzlich auf dem Schirm hat, wo man sich selber gerade befindet, ist Schwimmen im Meer gesundheitlich unbedenklich. Angesichts der vielen Möglichkeiten, sich spektakulär zu verletzen, ist ein unbeschwertes Toben im Meer jedoch leider nicht möglich.

Ein weiteres Beispiel für die Vorteilhaftigkeit eines gewissen Abstands zwischen Mensch und Natur ist die Koexistenz von wilden Affen und Menschen. Ich schweife nicht ab und beschreibe nun das Wesen der Ehe oder nachbarschaftliche Konstellationen. Es geht weiter um die Affenpopulation auf Tioman Island. Im Dschungel, wohl nicht unweit des Hotels, lebt eine Affenhorde, die offenbar regelmäßig Streifzüge durch die Hotelanlage unternimmt. Hier im Tunamaya, wie schon in Taman Negara, wurden wir darauf hingewiesen, über Nacht keine Schuhe oder anderen Gegenstände auf der Terrasse liegen zu lassen. Bei den Urlaubern sind die frechen Affen natürlich ein begehrtes Fotomotiv, während die Hotelangestellten versuchen, sie zu verjagen. An strategischen Punkten im Tunamaya sind zur Abschreckung der Affen große Plüschtiger platziert. Im Mutiara Taman Negara hielten wir die Plüschtiger noch für nette Folklore. Heute wurden wir selber Opfer der Affen. Als wir uns am frühen Nachmittag am Pool aufhielten, hörten die Bewohner unserer Nachbarhütte, die mit unserer durch eine Tür verbunden ist, lautes Affengeschrei in unserer Hütte. Sie sahen irgendwann aus dem Fenster und erblickten zwei Affen, die mit Chipstüten unsere Hütte verließen und einen Affen, der sich einen Schokoriegel reinzog. Vier, fünf weitere Affen, die ihnen ihre Beute streitig machen wollten, folgten ihnen im Schlepptau. Die Nachbarn riefen die Rezeption an, von wo umgehend Mitarbeiter geschickt wurden, die zunächst dem Spuk ein Ende bereiteten und anschließend das Chaos, das im Raum geherrscht haben soll, wieder beseitigt haben. Später haben wir erfahren, dass die hiesigen Affen sich darauf spezialisiert haben, fest gegen die Fensterelemente zu drücken, weil diese, wenn sie nicht fest verschlossen sind, unter Druck aufgehen. Anschließend wird alles geplündert, was essbar aussieht. Da wir, um keine Mücken einzulassen, die Fenster nie geöffnet haben, kamen wir auch nicht auf die Idee, die Verschlüsse zu prüfen. Bis heute. Eine Französin warnte uns am Abend vor den aggressiven Affen. Ein Affe hatte an ihrem Fenster gerüttelt, das sie daraufhin fest verriegelte, worauf er wütend vor die Scheibe hämmerte.

Abgesehen von dem Zwischenfall mit der Räuberbanden plätscherte unser Tag gemütlich vor sich hin. Den größten Teil verbrachten wir am Pool. Ich unterbrach das Planschen für eine gute Stunde, um die Schnur meiner neuen Reiseangel im Indischen Ozean zu wässern. Der Chefkoch nahm sich währenddessen ebenfalls eine Auszeit am Bootsanleger und wir führten ein längeres nettes Gespräch, an dessen Ende er mir sagte, dass ich ihm einen Fisch, wenn ich ihn gefangen habe, bringen soll. I cook it for you. In dieser herrlichen Umgebung ist das für mich die perfekte Kombination zwischen Mensch und Natur.

Schnorcheltrip oder Papa, das muss Mutti nicht lesen!

Es ist nicht so, dass wir faul wären, im Gegenteil. Wir gehen jeden Morgen und jeden Abend zum Restaurant, gehen zum Bootsanleger, machen Spaziergänge, die unweigerlich Abenteuercharakter haben, schwimmen im Pool und lassen uns im Meer von den Wellen treiben. Und heute trieben wir unsere sportlichen Aktivitäten auf die Spitze und haben beim Hotel für ungefähr 100 Euro einen Schnorcheltrip gebucht.

Das Boot mit etwa 20 Schnorchlern und Tauchern fuhr eine halbe Stunde zum ersten Anlegeplatz über einem Korallenriff. Für genau solche Gelegenheiten habe ich vor einem Dreivierteljahr bei Decathlon eine Schnorchelmaske gekauft und heute kam sie endlich zum Einsatz. Wir erhielten kurze Instruktionen und dann ging es mit Schnorchelmasken und Schwimmflossen ins Wasser. Lina, die im Wasser zusätzlich eine Rettungsweste trug, tat sich mit Maske und Flossen schwer und legte sie bald ab. Kay, ebenfalls mit Rettungsweste im Wasser, verzichtete auf die Schwimmflossen. Ich selber schwamm, voll ausgerüstet, das erste Mal in meinem Leben schnorchelnd über ein Korallenriff. Es war fantastisch. Das Schnorcheln über dem Riff war wie ein Flug über eine surreale, wunderschöne Welt. Unten waren die Korallen, teilweise grau, teilweise bunt, und aus ihnen wuchsen die unterschiedlichsten Formen und abstraktesten Figuren. Pilze, Türme und Seerosen konnte man mit und ohne Fantasie erkennen. Zwischen den Korallen und mir schwammen hunderte Fische. Noch beeindruckender als die Anzahl der Fische aber waren ihre Farben. Die Fische waren quietschbunt. Die meisten waren schwarz-gelb gestreift, fast ebensoviele schwarz-blau. Es gab gelbe Fische mit blauem Kopf und blaue Fische mit orangefarbener Heckflosse. Ich sah orangefarbene Fische mit einem blauen Streifen an der Seitenlinie und blaue Fische mit gelbem Kopf. Für einen schnorchelnden Kreationisten müsste dies der ultimative Gottesbeweis sein, zumal sich die Frage, warum die Welt oberhalb der Wasserlinie nicht auch so aussieht, für ihn nicht stellt. Viele Fische knabberten an den Korallen, aber die meisten Fische schwammen im Schwarm und hatten dabei das Maul auf, um Nahrung aufzunehmen. Es war fantastisch. Wenn man das Meeresleben durch eine Schnorchelmaske derart transparent macht, kann es aber auch sein, dass man Dinge sieht, was man nicht unbedingt sehen möchte. Das blieb mir erspart. Ich sah keine Geschöpfe wie Muränen oder hier vorkommenden Seeschlangen, was mir die Unbekümmertheit des Schwimmens im Meer für immer genommen hätte. Ich sah lediglich viele Seeigel, über die ich im sicheren Abstand schwebte. Nach einer Stunde kletterten die Leute nach und nach an Bord und wir fuhren zur nächsten Stelle.

Hier sollte es einen zwanzigminütigen Halt geben, an dem die Taucher sich präparieren und mit ihren zwei Lehrern das Boot verlassen sollten. Wer mag, so die Ansage, könne in den 20 Minuten Schnorcheln. Wichtig sei, dass sich niemand vom Boot entfernt und aufgrund von Strömung und Winden ausschließlich links vom Boot schnorchelt. Den letzten Satz sagte Dimas, der russische Tauchlehrer, leider nicht an dieser Stelle, sondern erst zehn Minuten später. Als er den zwanzigminütigen Zwischenstopp und die Schnorchelgelegenheit ankündigte, sprangen zwei Urlauber links vom Boot ins Wasser. Lina, die sich unter die Taucher gemischt hatte, hüpfte daraufhin auch von Bord. Nach rechts. Und wurde mit jeder Sekunde weiter weg vom Boot, ins offene Meer getrieben. Ich zwängte mich an den Tauchern vorbei und sprang ihr hinterher. Lina, die eine Rettungsweste trug und auf dem Rücken lag, hatte mittlerweile auch den Ernst der Lage erkannt und rief um Hilfe. Als ich fast bei ihr war, rief ich ihr zu, dass sie aufhören soll, zu rufen, alles ist gut. Dann drehte ich mich um und erschrak, wie weit das Boot schon von uns entfernt war. Ich packte Lina, schob sie in Richtung Boot und schwamm hinter ihr. Sie meckerte. Ich schob sie wieder, schwamm hinterher und sie meckerte. Ich sagte, sie solle mitschwimmen und Lina, noch immer auf dem Rücken liegend, sagte „Ich kann nicht“. Ich drehte sie vom Rücken auf den Bauch. „Verdammte Hacke, beweg deine Arme und Beine beim Schwimmen, wie du es gelernt hast! Arm-Kreis-Frosch!“. Lina schwamm. Einer der Tauchlehrer kam bald darauf – mit Schwimmflossen – angeschwommen und übernahm Lina. Wir schwammen zurück zum Boot, das nur langsam näher kam. Als ich kurz nach ihnen am Boot ankam, war ich völlig erschöpft und meine beiden Oberschenkel so übersäuert, dass ich links und rechts kurz vor einem Krampf stand. Der Tauchlehrer hielt eine knappe Ansprache, dass die Schnorchler hier kurz Schnorcheln können, aber unbedingt nur auf der linken Seite des Bootes. Meine große Erleichterung, dass alles gut gegangen war, überwog die Verärgerung, dass er es vorhin nicht schon gesagt hatte.

Kurz darauf fuhren wir zur regulären Schnorchelstelle, an der es kein Strömung gab. Lina, ohnehin hart im Nehmen, war wieder als eine der Ersten im Wasser, aber diesmal in Manndeckung, immer in Griffweite. Irgendwann hatte sie keine Lust mehr aufs Schwimmen und ging an Bord. Kurz darauf entstand unter den Schnorchlern Aufregung, weil einige von ihnen, unter anderem Kay, einen ca. einen Meter langen Hai gesehen haben. Mich berührte das nicht. Nicht, weil ich so cool, sondern weil ich emotional noch immer jenseits von Gut und Böse war. Bevor es zum Hotel zurückging, steuerten wir noch den Hafen von Tektek an. In dem Örtchen aßen wir zu Mittag und konnten uns überzeugen, dass es auf Tioman richtige Straßen gibt.

Den Rest des Nachmittags verbrachten wir im Pool. Ohne Wind und ohne Strömung.

Auf der Insel

Es fällt uns nicht sonderlich schwer, uns auf Tioman wohl zu fühlen. Gestern Abend genossen wir noch ein leckeres Abendessen, was in diesem Urlaub jedoch nicht so überraschend ist. Auf den hiesigen Getränkekarten gern gesehen ist neben „regulären“ Bierportionen (eine Flasche oder eine Dose) auch ein Eimer, bestehend aus fünf Dosen, der günstiger ist, als die Summe der Einzelportionen. Und während im Hotel Mutiara Taman Negara tatsächlich ein Eimer mit fünf Dosen Bier und viel zu wenig Eiswürfeln serviert wurde und sogleich ein natürlicher Wettlauf gegen das Warmwerden des Biers begann, ist der „Eimer“ hier im Tunamaya ideell zu verstehen. Der Gast erhält keinen Eimer, sondern erwirbt quasi ein vergünstigtes Fünferpack, das sich nach jeder Bestellung verringert und dessen ideelles Konto nicht mit der Mahlzeit, sondern erst mit dem Check-Out beendet wird. So wird der Gast zwar der Herausforderung beraubt, gegen warmes Bier aktiv antrinken zu müssen, aber bei jeder weiteren Bierbestellung schwingt ein Hauch des Ist ja schon bezahlt-Gedankens mit. Und es ist etwas günstiger.

Nach dem Frühstück gingen wir eine knappe Stunde im Urwald spazieren. Wir rieben uns, wie jeden Abend und bei allen Dschungeltripps, vorher mit Autan Tropical ein und zogen los. Irgendwann, als eine Fledermaus in sehr engen Kreisen um uns herumschwirrte, trafen wir die Entscheidung, zurückzukehren. Ich weiß nicht, ob Fledermäuse territoriale Tiere sind oder eine Brut in der Nähe war. Aber diese Fledermaus simulierte zahlreiche Angriffe auf mich, die sehr überzeugend waren und die sie immer erst so kurz vor mir abbrach, dass ich jedesmal zusammenzuckte. Anfangs waren wir fasziniert, dann erkannten wir den Warncharakter und gingen zurück. Während die Mädels sich anschließend an und in den Pool legten, ging ich mit meiner Angel für eine halbe Stunde an den Bootssteg und zeigte den hiesigen Fischen, wie deutsche Kunstköder von unten aussehen.

Bei uns sind Sommerferien, aber hier herrscht Nebensaison. In diesem und in den anderen Hotels auf unserer Reise stehen daher viele Zimmer leer. Für uns hat das den angenehmen Nebeneffekt, dass an Pool, Bar, Restaurant und Strand immer gute Plätze verfügbar sind. Die Gäste unseres Hotels sind international und hier, wie überall in Malaysia, urlauben viele Familien mit Kindern. Die größte Gästegruppen bilden, wie während des gesamten Urlaubs, Holländer und Franzosen. Es werden auch Sprachen gesprochen, die ich nicht erkenne, aber Deutsch habe ich auf Tioman Island, außer von uns dreien, noch nicht gehört. Die letzte große Gruppe deutscher Touristen sah ich am ersten Abend in Taman Negara. Vielleicht waren es auch nur relativ viele Deutsche, da wir im bisherigen Urlaub nur sehr wenige Deutsche getroffen haben und ab dem nächsten Tag klar war, dass Holländer eindeutig in der Mehrheit sind. Ich würde nicht behaupten, dass ich mich hier nach Deutschen sehne. Aber die touristische Ernsthaftigkeit, die die Deutschen im Urwald in Taman Negara gezeigt haben, Wanderstiefel, Trekkinghose, Hemd und Schlapphut – alles selbstverständlich im identischen Khaki und im Partnerlook – fehlt mir hier doch ein bisschen.